Reet, Reit, Riet, Rohr: ein Material, viele Namen
Wer sich mit Reetdächern beschäftigt, stolpert über viele Begriffe. Gemeint ist fast immer dasselbe.

Bei uns im Norden sagt man Reet. Kollegen aus anderen Gegenden sagen aber auch Reit oder Riet. Diese Wörter kommen aus dem Holländischen. In den neuen Bundesländern ist dagegen „Rohr“ üblich, dort heißt der Beruf oft Rohrdachdecker. Und natürlich sagen viele einfach Schilf. Das Hamburger Abendblatt hat 2024 auch den botanischen Namen dazugeschrieben: Phragmites communis Trin. (Hamburger Abendblatt, 6. Mai 2024).
Vom Strohdachdecker zum Reetdachdecker
Der Oberbegriff war lange Zeit Stroh. So stand der Beruf auch in der Handwerksordnung: Strohdachdecker. Das ist heute nicht mehr so. Die richtige Bezeichnung lautet inzwischen Reetdachdecker.
Das Stroh war auch das Material, bevor sich das Reet durchgesetzt hat. Gedeckt wurde mit Roggenstroh, und statt Draht nahm man Nussbaum- oder Weidenruten oder gewachste Roggenbänder (Stader Tageblatt 2022). Reet ist länger, haltbarer und wasserabweisender als Getreidestroh. Das sehe ich bis heute so.
Überall, wo viel Wasser ist
Reet ist kein rein norddeutsches Material. Überall an den Küsten haben Menschen mit dem gedeckt, was in der Nähe wuchs und günstig zu haben war. Bei uns ist das überwiegend Reet. Anderswo ist es Papyrus oder Miscanthus. In der Karibik werden teilweise Palmblätter verwendet, die dieselbe Aufgabe erfüllen. In Südafrika deckt man mit verschiedenen Grasarten, von denen manche dem Reet ähnlich sehen und andere eher an Moorgras erinnern.
Wer sich alte Gemälde von Entdeckungsreisen ansieht, findet auch dort Hütten, die mit Naturmaterial gedeckt sind. Das Wasser zieht die Menschen an, viele große Städte sind Hafenstädte. Dass sich das auch bei den Baustoffen zeigt, finde ich bemerkenswert.
Sehr alt, sehr aktuell
Die ältesten Nachweise für Reetdächer reichen etwa 4000 Jahre vor Christus zurück. Dem Hamburger Abendblatt habe ich gesagt, für mich ist die Reetdachdeckerei das älteste Handwerk überhaupt (Hamburger Abendblatt, 6. Mai 2024). In der Zeitung liest man manchmal „seit 4.000 Jahren“; gemeint ist aber 4000 vor Christus, also rund 6.000 Jahre.
Dass sein Material jedes Jahr nachwächst, macht das Reet für mich bis heute besonders. Am Ende seiner Zeit auf dem Dach könnte es eigentlich kompostiert werden. Heute landet abgedecktes Reet allerdings meist im Sondermüll, das hat auch das ZEITmagazin 2019 festgehalten (ZEITmagazin 2019). Früher war das anders. Mehr zur Geschichte steht im Beitrag Das Reetdach in der Geschichte.
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