Lexikon
Reetdach von A bis Z.
160 Fachbegriffe, jeder in einem Satz erklärt und mit Quellen vertieft. Viele mit den Wörtern, die Dachdecker in England, Dänemark und den Niederlanden benutzen.
A
- Absturzsicherung
- Absturzsicherungen sind Einrichtungen wie Seitenschutz, Dachfanggerüst oder Auffanggurt, die Stürze bei Arbeiten in der Höhe verhindern oder abfangen.
- Abtrag
- Abtrag ist der allmähliche Verlust an Reetdicke durch Verwitterung der Oberfläche.
- Algen
- Algen bilden auf Reetdächern eine grünliche, schleimige Schicht, die Feuchte hält und das Trocknen bremst.
- Algenmittel
- Algenmittel sind Sprühmittel, die Algen auf dem Reetdach abtöten oder hemmen sollen.
- Anfallpunkt (Neigungswechsel)
- Als Anfallpunkt bezeichnet Architekt Martin Klett die Stelle, an der ein flacherer Dachteil an ein steileres Dach anschließt und sich das Gefälle verringert.
- Arglist
- Arglist liegt vor, wenn ein Verkäufer einen ihm bekannten Mangel bewusst verschweigt, um den Käufer zum Vertrag zu bewegen.
- Artenschutz am Dach
- Artenschutz am Dach meint die Regeln des Bundesnaturschutzgesetzes, die Nester und Quartiere wild lebender Tiere am Gebäude schützen.
- Aufsparrendämmung
- Die Aufsparrendämmung ist eine Wärmedämmung, die auf den Sparren statt zwischen ihnen liegt; unter Reet bleibt darüber eine Luftschicht, damit das Reet hinterlüftet ist.
- Ausgleichsfläche
- Ausgleichsflächen sind Flächen, auf denen Eingriffe in die Natur an anderer Stelle ausgeglichen werden; auch Reetflächen an Flüssen und Küste sind so ausgewiesen.
- Auskämmen
- Beim Auskämmen werden Blätter, kurze Halme und Bruchstücke aus dem geernteten Reet entfernt, bevor es gebündelt oder verdeckt wird.
B
- Bauartklasse
- Die Bauartklasse ist eine Einstufung in der Wohngebäudeversicherung, nach der Gebäude je nach Bauweise unterschiedlich tarifiert werden.
- Baudenkmal
- Ein Baudenkmal ist ein Gebäude, das wegen seiner geschichtlichen, künstlerischen oder städtebaulichen Bedeutung unter Denkmalschutz steht.
- Bindedraht
- Der Bindedraht hält die Reetlage an der Lattung fest; beim Nähen wird er mit einer Nadel durch das Reet und um die Latte geführt.
- Bindestange
- Die Bindestange ist ein Stab aus Draht oder Holz, der quer über eine Reetlage gelegt und mit dem Bindedraht an der Latte festgezogen wird.
- Biofilm
- Ein Biofilm ist eine dünne, schleimige Schicht aus Algen, Bakterien und anderen Mikroorganismen auf einer Oberfläche.
- Blitzschutzklasse
- Die Blitzschutzklasse beschreibt die Wirksamkeit einer Blitzschutzanlage; für Wohnhäuser mit weicher Bedachung empfehlen Versicherer Klasse II.
- Blockfirst
- Ein Blockfirst ist ein erhabener, kantig gearbeiteter First aus Reet oder Riedgras, wie er in England verbreitet ist.
- Brandschutzimprägnierung
- Eine Brandschutzimprägnierung ist ein Mittel, das auf das Reet gesprüht wird, um seine Entflammbarkeit zu senken.
- Brandschutzplatte
- Eine Brandschutzplatte ist eine nichtbrennbare Platte unter dem Reet, die verhindern soll, dass ein Dachbrand schnell ins Haus durchschlägt.
- Braunfäule
- Braunfäule ist ein Pilzabbau, bei dem vor allem Zellulose zersetzt wird und ein bräunlicher, brüchiger Rest zurückbleibt.
- BROOF
- BROOF ist die europäische Brandklasse für Bedachungen, die einer Brandbeanspruchung von außen ausreichend widerstehen.
- Bund (Reetbund)
- Ein Bund ist die gebündelte Handelseinheit des Reets, in der es geerntet, verkauft und auf dem Dach verarbeitet wird.
- Bundlänge
- Die Bundlänge ist die Länge der Halme in einem Reetbund und ein wichtiges Qualitätsmerkmal.
C
- C/N-Verhältnis
- Das C/N-Verhältnis ist das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff im Halm; ein weites Verhältnis spricht für gutes, langlebiges Reet.
D
- Dachauflegeleiter
- Eine Dachauflegeleiter ist eine Leiter, die auf die Dachfläche gelegt und in Sicherheitsdachhaken eingehängt wird.
- Dachdicke
- Die Dachdicke ist die Stärke der Reetlage, gemessen senkrecht zur Dachfläche.
- Dachneigung
- Die Dachneigung ist der Winkel der Dachfläche zur Waagerechten; für Reetdächer gelten in Deutschland 45 Grad als Regel.
- Dampfbremse
- Eine Dampfbremse ist eine Schicht auf der warmen Innenseite der Dachkonstruktion, die verhindert, dass feuchte Raumluft ins Reet wandert.
- Dampfsperre
- Eine Dampfsperre ist eine diffusionsdichte Schicht mit einem sd-Wert ab 1500 Metern, die auf der warmen Raumseite feuchte Luft von Dämmung und Reet fernhält.
- Deckstuhl
- Ein Deckstuhl ist eine kleine Leiter mit wenigen Tritten, die auf der Reetfläche liegt und über die sich der Dachdecker auf dem Dach bewegt.
- Dendrochronologie
- Die Dendrochronologie datiert Bauholz anhand seiner Jahresringe und zeigt so, wann die Bäume gefällt wurden.
- Drahtnetz
- Ein Drahtnetz ist ein Maschendraht, der über das Reet gespannt wird, um Vögel und Nager fernzuhalten.
- Driller
- Der Driller ist eine Zange, mit der der Reetdachdecker den Bindedraht anzieht.
- Durchfahrtsscheune
- Eine Durchfahrtsscheune ist eine Scheune, durch die ein beladener Wagen von einem Tor zum anderen hindurchfahren kann.
- Durchfeuchtung
- Durchfeuchtung bedeutet, dass das Reet nicht nur an der Oberfläche, sondern dauerhaft in der Tiefe nass ist.
E
- Einjähriges Reet
- Einjähriges Reet stammt aus Beständen, die jeden Winter geschnitten werden, und gilt als besser als Reet aus zweijährigem Schnitt.
- Eulenloch
- Das Eulenloch ist eine Öffnung oben im Giebel eines Reetdachhauses, plattdeutsch Uhlenloch.
- Euro-Bund
- Der Euro-Bund ist eine Handelsgröße, auf die sich Preisangaben für Reet in einer deutschen Marktstudie beziehen.
F
- Fachregel für Dachdeckungen mit Reet
- Die Fachregel für Dachdeckungen mit Reet ist das Regelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks, das Anforderungen an Material und Ausführung von Reetdächern festlegt.
- Feuchtegehalt
- Der Feuchtegehalt gibt an, wie viel Wasser das Reet enthält; für die Lieferung gelten höchstens 18 Prozent als Grenzwert.
- Feuerungsverordnung
- Die Feuerungsverordnung eines Bundeslands regelt Anforderungen an Feuerstätten und Abgasanlagen, auch für Häuser mit weicher Bedachung.
- First
- Der First ist die obere Kante eines Dachs, an der die beiden Dachflächen zusammentreffen; beim Reetdach wird er eigens abgedeckt.
- Flechten
- Flechten sind langsam wachsende Lebensgemeinschaften aus Pilz und Alge, die sich auf alten Reetflächen ansiedeln.
- Fledermausgaube
- Eine Fledermausgaube ist eine flache, geschwungene Gaube ohne senkrechte Seitenwände, über die das Reet in einer Welle hinwegläuft.
- Flicken
- Flicken bedeutet, örtliche Schäden im Reetdach durch Einsetzen neuen Materials auszubessern, ohne das ganze Dach neu zu decken.
- Flugfeuer
- Flugfeuer sind brennende oder glühende Teile, die durch die Luft getragen werden und Dächer von außen entzünden können.
- Freiliegende Befestigung
- Freiliegende Befestigungen sind Bindedrähte oder Schrauben, die an der Oberfläche sichtbar werden, weil die Verschleißschicht verbraucht ist.
- Funkenfänger
- Ein Funkenfänger ist ein Gitter auf dem Schornstein, das ausgeworfene Funken zurückhalten soll.
G
- Gallertfleischiger Fältling
- Der Gallertfleischige Fältling (Phlebia tremellosa) ist ein ligninabbauender Pilz, der in Laborversuchen Reethalme zersetzt hat.
- Garbe
- Garbe ist ein anderes Wort für ein Reetbund.
- Gaube
- Eine Gaube ist ein Dachaufbau mit Fenster, der aus der Dachfläche herausragt.
- Gebundenes Dach
- Beim gebundenen Dach wird die Reetlage mit quer liegenden Bandstöcken oder Bindestangen an der Lattung festgezogen.
- Gebäudeklasse
- Gebäudeklassen teilen Gebäude im Bauordnungsrecht nach Höhe, Größe und Nutzung ein; sie bestimmen unter anderem, ob eine weiche Bedachung zulässig ist.
- Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG)
- Das Gebäudemodernisierungsgesetz ist der neue Name des früheren Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und regelt energetische Anforderungen an Gebäude.
- Genähtes Dach
- Beim genähten Dach wird der Bindedraht mit einer Nadel durch die Reetlage und um die Latte geführt.
- Grassodenfirst
- Ein Grassodenfirst ist ein Firstabschluss aus Rasensoden, die auf dem First anwachsen.
H
- Halmdicke
- Die Halmdicke ist der Durchmesser eines Reethalms, meist am Stoppelende gemessen.
- Halmneigung
- Die Halmneigung ist der Winkel, in dem die Reethalme tatsächlich auf dem Dach liegen; sie ist immer flacher als die Dachneigung.
- Haltestock
- Der Haltestock ist ein traditionelles Werkzeug des Reetdachdeckers.
- Harte Bedachung
- Harte Bedachung ist eine Dachdeckung, die gegen Flugfeuer und strahlende Wärme von außen ausreichend widerstandsfähig ist.
- Heidefirst
- Ein Heidefirst ist ein Firstabschluss aus Heidekraut, das auf den First gelegt und mit gekreuzten Hölzern oder Draht gehalten wird.
- Heißarbeiten
- Heißarbeiten sind Arbeiten mit offener Flamme oder großer Hitze, etwa Löten, Schweißen oder Arbeiten mit Brenner oder Heißluft.
- Helmlinge (Mycena)
- Helmlinge sind kleine Ständerpilze der Gattung Mycena, die als wahrscheinliche Hauptzersetzer von Reetdächern gelten.
- Hinterlüftung
- Hinterlüftung ist eine Luftschicht unter dem Reet, durch die das Material von innen abtrocknen kann.
- Holländische Plattenbauweise
- Bei der holländischen Plattenbauweise wird das Reet auf große Holzplatten geschraubt statt an offener Lattung befestigt.
I
- Immaterielles Kulturerbe
- Das Reetdachdecker-Handwerk steht seit Dezember 2014 im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland.
- Importreet
- Importreet ist Dachreet, das aus dem Ausland eingeführt wird; in Deutschland sind das seit Jahrzehnten über 80 Prozent des Bedarfs.
- International Thatching Society
- Die International Thatching Society ist ein internationales Treffen von Reetdachdeckern zum fachlichen Austausch.
J
- Jugendbauhütte
- Jugendbauhütten bieten jungen Menschen ein Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege, in dem sie an historischen Bauten mitarbeiten.
K
- Kaminofen
- Ein Kaminofen ist eine geschlossene Feuerstätte für Holz oder andere feste Brennstoffe; unter Reet gilt er als größte Brandquelle.
- Kehle
- Die Kehle ist die Rinne, in der zwei Dachflächen in einem nach innen gerichteten Winkel zusammentreffen, etwa neben einer Gaube.
- Klopfbrett (Beiholz)
- Das Klopfbrett, auch Beiholz genannt, ist das Werkzeug, mit dem der Reetdachdecker die Halme hochschiebt und die Neigung der Reetfläche einstellt.
- Knecht
- Der Knecht ist ein Stecken mit Zacken, der den Bindedraht beim Decken festhält.
- Kniekissen
- Das Kniekissen ist ein Polster mit Lederriemen, das der Reetdachdecker bei der Arbeit auf der Fläche trägt.
- Konterlattung
- Die Konterlattung besteht aus Latten längs zu den Sparren, die beim gedämmten Reetdach die Luftschicht zwischen Dämmung und Reetlattung freihalten.
- Kupferband
- Ein Kupferband ist ein waagerecht über das Reet gespannter Kupferdraht oder Kupferstreifen, der Bewuchs hemmen soll.
- Kupferfirst
- Ein Kupferfirst ist ein Firstabschluss aus Kupferblech.
- Kupfersulfat
- Kupfersulfat ist ein Salz, das als Mittel gegen Bewuchs auf Reetdächern eingesetzt wurde.
L
- Landesfachgruppe Reet
- Die Landesfachgruppe Reet ist die 2016 gegründete Vertretung der Reetdachdecker in Niedersachsen, Bremen und Hamburg.
- Langstroh
- Langstroh ist ungedroschenes, langes Getreidestroh, meist Roggen oder Weizen, das früher und in England bis heute als Dachdeckung verwendet wird.
- Lattung
- Die Lattung besteht aus waagerechten Holzlatten auf den Sparren, an denen das Reet befestigt wird.
- Lehmgefache
- Lehmgefache sind die mit Lehm ausgefüllten Felder zwischen den Hölzern eines Fachwerks.
- Lignin
- Lignin ist der Holzstoff, der dem Reethalm Festigkeit gibt und nur von wenigen Pilzarten abgebaut werden kann.
M
- Marder
- Marder sind Raubtiere, die über das Dach ins Haus gelangen und dabei Dämmung und Deckung beschädigen können.
- Materialaufzug
- Ein Materialaufzug ist ein Lift am Gerüst, der die Reetbunde aufs Dach bringt.
- Moderfäule
- Moderfäule ist ein Pilzabbau durch Schlauch- und Schimmelpilze, der vor allem in sehr nassem Material auftritt.
- Moos
- Moos wächst vor allem auf schattigen, feuchten Reetflächen; ob es dem Dach schadet oder es schützt, ist unter Fachleuten umstritten.
- Mosaikmahd
- Mosaikmahd ist eine Erntemethode, bei der Teilflächen eines Röhrichts ungemäht bleiben, um Tieren Lebensraum zu lassen.
- Musterbauordnung
- Die Musterbauordnung ist ein von der Bauministerkonferenz erarbeitetes Muster, an dem sich die Landesbauordnungen orientieren.
- Mängelhaftung
- Mängelhaftung, umgangssprachlich Gewährleistung, ist die Pflicht des Verkäufers oder Handwerkers, für Mängel seiner Leistung einzustehen.
- Mörtelfirst
- Ein Mörtelfirst ist ein Firstabschluss, bei dem Mörtel die obere Abdeckung bildet oder Firstteile verbindet.
N
- Nachstopfen
- Beim Nachstopfen werden neue Halme in eine vorhandene Reetlage geschoben, um dünne oder beschädigte Stellen zu schließen.
- Nadel (krumm und gerade)
- Mit krummen und geraden Nadeln führt der Reetdachdecker den Bindedraht durch die Reetlage.
- Nager
- Nager wie Ratten und Mäuse können Reetdächer beschädigen, indem sie Halme und Befestigungen annagen und Gänge graben.
- Neueindeckung
- Eine Neueindeckung ist das vollständige Entfernen der alten Reetlage und das Decken einer neuen auf erneuerter Lattung.
- Niederdeutsches Hallenhaus
- Das niederdeutsche Hallenhaus ist ein traditionelles Bauernhaus Norddeutschlands, in dem Wohnung, Stall und Diele unter einem großen Dach lagen.
- Norfolk Reed
- Norfolk Reed ist englisches Wasserreet aus den Röhrichten der Norfolk Broads in Ostengland.
O
- Ortgang
- Der Ortgang ist der seitliche Rand der Dachfläche am Giebel.
P
- Paludikultur
- Paludikultur ist die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nasser oder wiedervernässter Moore, etwa für den Anbau von Schilf.
- Pfahlbauten
- Pfahlbauten sind vorgeschichtliche Siedlungen auf Pfählen an Seeufern, an denen die frühesten Reetdächer nachgewiesen sind.
- Pferdeköpfe (Giebelzier)
- Pferdeköpfe sind gekreuzte Giebelbretter am First, deren Enden als Pferdeköpfe ausgeschnitten sind.
- Prüfprotokoll
- Ein Prüfprotokoll ist ein schriftlicher Befund eines Sachverständigen über die Qualität des gelieferten Reets vor dem Einbau.
Q
- QSR (Qualitätssicherung Reet)
- Die Gesellschaft zur Qualitätssicherung Reet (QSR) in Kiel hat mit Hochschulen und der Bundesanstalt für Materialforschung die bislang größte deutsche Studie zu Reetschäden erstellt.
- Quartäre Ammoniumverbindungen
- Quartäre Ammoniumverbindungen sind die in den Niederlanden am weitesten verbreiteten Wirkstoffe in Algenmitteln für Reetdächer.
R
- Reet
- Reet ist das getrocknete Schilfrohr (Phragmites australis), das im Winter geerntet und als Dachdeckung verwendet wird.
- Reetdach
- Ein Reetdach ist eine Dachdeckung aus Schilfrohr, das Bund für Bund mit den Halmenden nach außen an der Lattung befestigt wird.
- Reetdachdecker
- Ein Reetdachdecker ist ein Dachdecker, der sich auf das Decken, Pflegen und Reparieren von Reetdächern spezialisiert hat.
- Reetdachdecker-Innung
- Eine Reetdachdecker-Innung ist ein regionaler Zusammenschluss von Reetdachdeckerbetrieben im Handwerk.
- Reetdachmesser
- Das Reetdachmesser ist das Messer, mit dem der Reetdachdecker Halme schneidet.
- Reetdachsterben
- Reetdachsterben ist ein umgangssprachlicher Begriff für das vorzeitige Verrotten von Reetdächern, oft schon nach wenigen Jahren.
- Reetdachtechnik
- Reetdachtechnik ist die Spezialisierung innerhalb der Dachdeckerausbildung, in der das Decken mit Reet gelehrt wird.
- Reeternte
- Die Reeternte ist das Schneiden des abgestorbenen Schilfrohrs im Winter, von Hand mit Sense oder maschinell.
- Reetnadel
- Die Reetnadel ist ein langes Nadelwerkzeug, mit dem der Bindedraht durch die Reetlage und um die Latte geführt wird.
- Reetqualität
- Die Reetqualität fasst Eigenschaften wie Feuchte, Länge, Dicke, Sortierung und Stickstoffgehalt zusammen, die über die Haltbarkeit des Dachs mitentscheiden.
- Regeldachneigung
- Die Regeldachneigung ist die Dachneigung, die das Regelwerk für ein Reetdach als Normalfall vorsieht: 45 Grad.
- Reit und Riet
- Reit und Riet sind regionale Nebenformen des Wortes Reet, die aus dem Niederländischen stammen.
- Reißhaken
- Der Reißhaken ist ein Haken, mit dem altes Reet vom Dach heruntergeholt wird.
- Restnutzungsdauer
- Die Restnutzungsdauer ist die Zahl der Jahre, die ein Gebäude oder Bauteil bei ordnungsgemäßer Bewirtschaftung voraussichtlich noch genutzt werden kann.
- Rhizom
- Ein Rhizom ist der unterirdische Wurzelstock des Schilfrohrs, aus dem jedes Jahr neue Halme austreiben.
- Riedgras (Segge)
- Riedgras oder Segge ist eine Sumpfpflanze, aus der in England oft der First von Wasserreetdächern gefertigt wird.
- Rinnenbildung
- Rinnenbildung bezeichnet senkrechte Rillen in der Reetfläche, die vom First zur Traufe verlaufen und auf Schäden hindeuten.
- Rohrdach
- Rohrdach ist die in Ostdeutschland übliche Bezeichnung für ein Reetdach; der Handwerker heißt dort Rohrdachdecker.
- Rohrkolben
- Rohrkolben ist eine Sumpfpflanze, die als unerwünschte Beimengung in Reetbunden vorkommen kann.
- Rohrwerbung
- Rohrwerbung ist die in Mecklenburg-Vorpommern übliche Bezeichnung für die gewerbliche Ernte von Dachreet.
- Rundlatte
- Rundlatten sind runde Holzstangen, die auf älteren Reetdächern statt gesägter Latten auf den Sparren liegen und das Reet tragen.
- Röhricht
- Röhricht ist ein Pflanzenbestand aus Schilf und ähnlichen Sumpfpflanzen am Ufer von Gewässern oder in Feuchtgebieten.
S
- Sachverständiger
- Ein Sachverständiger ist eine fachkundige, unabhängige Person, die Zustand, Mängel oder Material eines Bauteils begutachtet.
- Salzwasserreet
- Salzwasserreet ist Reet, das an der Meeresküste wächst, etwa auf Rügen.
- Schilfrohr (Phragmites australis)
- Phragmites australis ist der botanische Name des Schilfrohrs, eines hochwüchsigen Sumpfgrases, aus dem Dachreet gewonnen wird.
- Schmetterlingstramete
- Die Schmetterlingstramete (Trametes versicolor) ist ein weit verbreiteter Weißfäulepilz, der auch Reethalme zersetzt.
- Schnittjahr
- Das Schnittjahr ist der Winter, in dem das gelieferte Reet geerntet wurde.
- Schraubdach
- Ein Schraubdach ist ein Reetdach, bei dem das Reet auf einer geschlossenen Platte liegt und mit drahtverbundenen Schrauben befestigt wird.
- sd-Wert
- Der sd-Wert gibt an, wie stark eine Bauteilschicht Wasserdampf zurückhält, ausgedrückt als gleich wirksame Luftschichtdicke in Metern.
- Sortierung
- Die Sortierung beschreibt, wie sauber das Reet nach Länge und Dicke ausgelesen und von Blättern, Bruch und Fremdpflanzen befreit ist.
- Stickstoff
- Stickstoff ist ein Pflanzennährstoff, dessen Gehalt im Reethalm den Abbau durch Pilze beschleunigen kann.
- Stoppelende
- Das Stoppelende ist das untere, dickste Ende des Reethalms, das beim Decken nach außen zeigt.
- Strohdachdecker
- Strohdachdecker war die frühere Berufsbezeichnung des Reetdachdeckers in der Handwerksordnung.
- Strohfirst
- Ein Strohfirst ist ein Firstabschluss aus Stroh, etwa als Strohseil oder Strohlage.
T
- Translozierung
- Translozierung heißt, ein Gebäude abzubauen und an einem anderen Ort wieder aufzubauen.
- Traufbrett
- Das Traufbrett ist das Brett an der Traufe, auf dem die unterste Reetlage aufliegt.
- Traufe
- Die Traufe ist die untere Kante der Dachfläche, an der das Regenwasser abläuft.
- Treibe
- Die Treibe ist im Norden ein anderer Name für das Klopfbrett, mit dem der Reetdachdecker die Halme in Lage klopft.
- Tropfwasser
- Tropfwasser ist Regenwasser, das von überhängenden Bäumen auf das Dach fällt und das Reet dauerhaft nass hält.
- Tækkelauget
- Das Tækkelauget ist der dänische Fachverband der Reetdachdecker innerhalb von Dansk Industri.
U
- U-Wert
- Der U-Wert gibt an, wie viel Wärme pro Quadratmeter und Grad Temperaturunterschied durch ein Bauteil verloren geht; je kleiner, desto besser die Dämmung.
- Ungarn-Reet
- Ungarn-Reet ist Reet aus Ungarn, vor allem vom Plattensee, das in Norddeutschland lange einen großen Teil des verarbeiteten Materials stellte.
- Unterdeckbahn
- Eine Unterdeckbahn ist eine diffusionsoffene Bahn auf der Dämmung, die das Dach unter der Lüftungsebene vor eindringender Feuchte schützt und Feuchte nach außen entweichen lässt.
- Überdecken
- Überdecken heißt, eine neue Reetlage auf eine noch vorhandene alte Lage aufzubringen, statt die alte zu entfernen.
V
- Vakfederatie Rietdekkers
- Die Vakfederatie Rietdekkers ist der niederländische Fachverband der Reetdachdecker.
- Verschleißschicht
- Die Verschleißschicht ist der Teil der Reetlage über dem Bindedraht, der sich über die Jahre abträgt.
- VOB/B
- Die VOB/B ist ein Regelwerk mit Vertragsbedingungen für Bauleistungen, das Bauverträge zwischen Auftraggeber und Handwerker ergänzen kann.
- Vogelschäden
- Vogelschäden entstehen, wenn Vögel Halme aus dem Reet ziehen, um Nistmaterial oder Insekten zu finden.
W
- Weiche Bedachung
- Weiche Bedachung ist der baurechtliche Begriff für Dachdeckungen, die nicht ausreichend gegen Flugfeuer und strahlende Wärme widerstandsfähig sind, darunter Reet.
- Weizenreet
- Weizenreet ist in England gekämmtes Weizenstroh, das wie Reet mit den Halmenden nach außen verdeckt wird; trotz des Namens ist es kein Schilf.
- Weißfäule
- Weißfäule ist ein Pilzabbau, bei dem neben Zellulose auch Lignin zersetzt wird; das Material wird hell und faserig.
- Winterernte
- Winterernte bedeutet, dass Dachreet nur in der kalten Jahreszeit geschnitten wird, wenn die Halme trocken und nährstoffarm sind.
- Wärmeleitfähigkeit
- Die Wärmeleitfähigkeit (Lambda) beschreibt, wie gut ein Material Wärme leitet; für Reet schwanken die veröffentlichten Werte stark.
Z
- Zellulose
- Zellulose ist der Hauptbestandteil der Zellwände im Reethalm und wird von vielen Pilzen und Bakterien abgebaut.
- Ziegelfirst
- Ein Ziegelfirst ist ein Firstabschluss aus Firstziegeln auf dem Reet, in Dänemark als holländischer First bekannt.
- Zinnoberrote Tramete
- Die Zinnoberrote Tramete (Pycnoporus cinnabarinus) ist ein auffällig orangeroter Weißfäulepilz, der Lignin abbaut.