Reinhold Junker Reetdachdeckermeister · Altes Land

Warum Niedersachsen eine eigene Fachgruppe für Reet braucht

In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern haben Reetdachdecker eigene Innungen. In Niedersachsen hat das lange gefehlt. 2016 haben wir das geändert.

Reinhold Junker1. September 20263 Min. Lesezeit

Austausch unter Kollegen bei einem Treffen von Reetdachdeckern im Mai 2016. Ob es sich um ein Treffen der Fachgruppe handelt, ist im Archiv nicht vermerkt.
Austausch unter Kollegen bei einem Treffen von Reetdachdeckern im Mai 2016. Ob es sich um ein Treffen der Fachgruppe handelt, ist im Archiv nicht vermerkt.
Inhalt
  1. Lange verschlafen
  2. Eine Fachgruppe statt einer Innung
  3. Regeln, die man auch einhält
  4. Einmal im Jahr, im Winter

Normalerweise sind Dachdecker in Innungen organisiert. In Schleswig-Holstein und in Mecklenburg-Vorpommern gibt es eigene Innungen für Reetdachdecker. In den neuen Bundesländern hat man sich nach der Wiedervereinigung, als die Handwerksordnung angepasst wurde, sehr schnell auf das Reet spezialisiert und frühzeitig eine eigene Innung gegründet.

Lange verschlafen

In Niedersachsen, das von der Fläche her so groß ist, hat man das eigentlich verschlafen. Viele Reetdachdecker waren in ihrem Kreis ohnehin in der Dachdeckerinnung, und so sah man keinen Grund für eine eigene Organisation. Das hat sich als Nachteil erwiesen, gerade als Themen wie Pilzbefall und das sogenannte Reetdachsterben aufkamen.

Um 2009 begannen damals viele Dächer in Norddeutschland zu schimmeln, teils nur Monate nach der Neueindeckung. Eigentümer klagten gegen ihre Dachdecker, in der Zeitung war von einem „Killerpilz“ die Rede, und im Alten Land wurden teure Mittel gegen die Pilze verkauft. Ich habe das schon damals für Irrsinn gehalten. Für mich geht es um Grundlagen: keine nassen Halme verarbeiten, auf Belüftung achten, die Feuchte messen (ZEITmagazin 2019). In Schleswig-Holstein war schon 2007 in Kiel die Initiative „Qualitätssicherung Reet“ entstanden. In Niedersachsen fehlte eine Stimme, die so etwas für unser Land aufgreift. Mehr dazu im Beitrag Warum Reetdächer verrotten.

Eine Fachgruppe statt einer Innung

Nach einem der jährlichen Bundesfachgruppentreffen haben sich einige Kollegen zusammengetan und gesagt: Wir brauchen hier auch eine eigene Vertretung. Eine neue Innung zu gründen, wäre allerdings ein zu großer Verwaltungsakt gewesen. Unterstützt wurde dagegen die Idee einer Fachgruppe. 2016 hatten wir unsere erste Sitzung und haben dort die Landesfachgruppe Reet gegründet, offen für Reetdachdecker aus Niedersachsen, Bremen und Hamburg.

Regeln, die man auch einhält

Eine Fachgruppe ist auch ein Ort, an dem man über Qualität spricht. Als ich gelernt habe, gab es nur ein paar Grundregeln: keine feuchten Halme, mindestens 45 Grad Neigung, mindestens 30 Zentimeter Reet. Heute steht vieles in einem Regelwerk von rund 20 Seiten. Das ZEITmagazin hat mich 2019 mit dem Satz zitiert, viele Dachdecker hielten sich nicht an die Fachregeln, weil sie nicht wirklich bindend seien (ZEITmagazin 2019). Daran ändert eine Fachgruppe nicht alles. Aber sie bringt die Kollegen an einen Tisch.

Ein zweites großes Thema ist der Nachwuchs. Ich habe in den letzten Jahren kaum noch Leute gefunden, die es ernst meinen und sorgfältig arbeiten (Hamburger Abendblatt, 6. Mai 2024). Das betrifft viele Betriebe, und es lässt sich nur gemeinsam angehen.

Einmal im Jahr, im Winter

Die Reetdachdecker aus ganz Deutschland treffen sich jedes Jahr zur Bundesfachtagung, unter dem Dach des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks in Köln. Ausgerichtet wird sie reihum in den Bundesländern. Das Treffen findet im Winter statt, meist im Februar, wenn auf den Dächern ohnehin wenig los ist.

Wenn Sie als Hausbesitzer einen Betrieb suchen, kann die Fachgruppe ein guter Anfang sein. Weitere Hinweise stehen im Beitrag Einen Reetdachdecker finden.